Gen Z und KI: Warum junge Menschen für Kreativität und kritisches Denken kämpfen
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Proteste gegen künstliche Intelligenz (KI) gewinnen bei der jüngeren Generation – allen voran der Gen Z – immer mehr an Zulauf. Einige Vorfälle waren derart spektakulär, dass sie in den sozialen Medien und Nachrichtenportalen viral gingen:
- Gloria Caulfield, Vizepräsidentin der Tavistock Development Company, wurde bei einer Abschlussfeier an der University of Central Florida ausgebuht und lautstark kritisiert, als sie KI als „die nächste industrielle Revolution“ bezeichnete;
- Das gleiche Schicksal ereilte Eric Schmidt, den ehemaligen CEO von Google, in Arizona und den Musikproduzenten Scott Borchetta in Tennessee;
- Am Glendale Community College kam es noch schlimmer: Bei einer Abschlussfeier las eine KI-gestützte Software die Namen der Absolventen vor, verfälschte oder überging dabei jedoch eine beträchtliche Anzahl. Als die Hochschulleitung schließlich einräumte, dass die Fehler auf den Einsatz von KI zurückzuführen waren, brach im Publikum ein lauter Aufschrei aus, was eine lange Entschuldigungsrede nach sich zog;
- Hinzu kommen Bewegungen wie Pause AI und Pull The Plug, deren Mitglieder am 28. Februar dieses Jahres in London vor den Büros von OpenAI, Meta und Google DeepMind demonstrierten.

Zahlen und Fakten: Warum die Gen Z so kritisch ist
Diese skeptische Haltung wird durch aktuelle Daten untermauert: Eine Umfrage der Marktforschungsunternehmen Gallup, GSV Ventures und der Walton Family Foundation unter 1.572 jungen Menschen im Alter zwischen 14 und 29 Jahren (durchgeführt im Februar und März 2026) liefert deutliche Ergebnisse. Zwar gibt mehr als die Hälfte der Befragten (51 %) an, mindestens einmal pro Woche KI-Tools zu nutzen, und 49 % zeigen sich neugierig auf die neuen technologischen Möglichkeiten. Dennoch sank die Zustimmung zu den gängigen LLM-Modellen (wie ChatGPT, Gemini etc.) drastisch von 36 % auf 22 %. Gleichzeitig nahmen negative Gefühle wie Besorgnis (42 %) und Verärgerung (31 %) spürbar zu. Der Grund: 48 % der Befragten sind der Ansicht, dass die Risiken von KI deren Nutzen überwiegen und dass die Technologie nicht nur das Lernen, sondern auch die eigene Kreativität und das kritische Denken hemmen könnte. Es handelt sich also nicht um eine pauschale Ablehnung von KI oder eine Angst vor Innovation an sich. Vielmehr sorgen sich die Jugendlichen vor den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgen einer unkontrollierten Nutzung. Sie befürchten mittelfristig größere Hürden beim Berufseinstieg, eine Entwertung menschlicher Talente und Fähigkeiten, den Verlust der Informationskontrolle sowie die missbräuchliche Nutzung persönlicher Daten und geistigen Eigentums. Auch Zahlen aus der Arbeitswelt stimmen nachdenklich: Eine gemeinsame Studie von Writer und Workplace Intelligence unter 2.400 Fachkräften in Europa, Großbritannien und den USA zeigt, dass 29 % der Angestellten Vorbehalte gegen die Einführung von KI im Unternehmen haben – bei der Gen Z steigt dieser Anteil sogar auf 44 %. Laut einer Untersuchung von KPMG fürchten zudem ganze 52 % der Beschäftigten, durch KI ersetzt zu werden. Eine Angst, die inzwischen einen festen Begriff hat: FOBO – Fear of Becoming Obsolete (die Angst, überflüssig zu werden).

Das Boomer-Paradoxon: Ältere Generationen sind offener für KI
Eine Untersuchung des Marktforschungsunternehmens Numerator unter Verbrauchern, die keine KI nutzen, förderte ein überraschendes Detail zutage: Von 5.000 Befragten gaben 57 % der Gen Z an, KI grundsätzlich nicht nutzen zu wollen – im Vergleich zu nur 32 % der Babyboomer. Unterstützt wird dies durch eine Studie von GWS, wonach 16 % der befragten Gen-Z-Vertreter keine KI auf ihren Smartphones wünschen, während dies nur auf 9 % der Boomer zutrifft. Ältere Menschen zeigen sich hier also offener gegenüber technologischen Neuerungen als die Jugend. Das stellt ein echtes Novum dar: Bislang galt die jüngere Generation stets als Vorreiter des technologischen Fortschritts. In diesem Fall sind es jedoch die Älteren, die sich neugieriger zeigen und bereit sind, der neuen Technologie aufgrund ihrer praktischen Vorteile eine Chance zu geben.

Was wünscht sich die Gen Z wirklich?
Für die jüngere Generation stehen Authentizität, körperliches und mentales Wohlbefinden sowie echte menschliche Verbindungen an erster Stelle. Werte, die nach ihrer Auffassung durch KI gefährdet sind. Es besteht die Sorge, dass KI die menschliche Kreativität und das Denken verdrängen könnte, indem sie den Einzelnen geistig träge macht und vor allem derivative, nachgeahmte Inhalte liefert, denen es an echtem Wert fehlt. Das Thema hat eine stark ethische Dimension, weshalb wir differenzieren müssen. Lassen wir die Debatte um Arbeitsplätze beiseite – auch wenn renommierte Analysten diese Sorge oft für unbegründet halten – und konzentrieren wir uns auf Kultur, Kreativität und kritisches Denken. Es geht nicht darum, ob KI als Werkzeug an sich nützlich ist, sondern wie wir sie einsetzen. Wenn künstliche Intelligenz als Ersatz für das menschliche Denken dient, birgt das Risiken: Logisches Denken und Urteilsfähigkeit drohen zu verkümmern, was dazu führen kann, dass wir homogenisierte Inhalte gängiger LLMs nur noch passiv konsumieren. Im Gegenteil – und das betonen wir seit jeher – sollte KI ein Ansporn sein, selbst nachzudenken, Fragen zu stellen und neue Wege zu finden. Sie sollte uns dabei helfen, über uns hinauszuwachsen, unsere Grenzen zu erweitern und unsere Energie zielgerichtet einzusetzen.

Der Ansatz von Fabulè: KI als Unterstützung, nicht als Ersatz
Genau das ist die Mission, die wir mit Fabulè von Anfang an verfolgen, und einer unserer festesten Leitsätze: KI muss ein Verstärker, kein Ersatz für die menschliche Intelligenz sein. Wie wir im Kontext von Fabulè schon oft betont haben, ersetzt unsere App nicht das Lesen selbst. Im Gegenteil: Sie motiviert zum Lesen, weckt die Neugier, regt zum Nachdenken an und hilft dabei, die narrative Transportation aufrechtzuerhalten. Das eigentliche Erlebnis – und natürlich das Vergnügen – des Lesens liegt jedoch immer in den Händen und im Willen des Lesers selbst. Wir befürworten technologische Innovationen ausdrücklich. Doch aus ethischer Sicht teilen wir die Werte der Gen Z vollkommen: KI muss ein Werkzeug im Dienste des Menschen sein, das unser Leben bereichert – so wie es technologische Entwicklungen schon immer getan haben. Sie darf jedoch niemals als Ersatz für unsere eigenen mentalen Prozesse dienen. Auf diesem Fundament ruht unsere Arbeit. Dass wir hier mit der jüngeren Generation auf einer Wellenlänge liegen, lässt uns optimistisch in die Zukunft blicken – ohne dystopische Ängste, sondern mit Zuversicht und dem festen Willen, uns für eine ethische und nachhaltige Gestaltung des Fortschritts einzusetzen.
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