Lesen in der Gen Z: Wie junge Erwachsene Bücher neu entdecken
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Nur ein Vorurteil. Wie wir auf diesen Seiten schon öfter betont haben, wurde das Klischee, die jüngeren Generationen würden nicht mehr lesen, durch zahlreiche Marktanalysen und Konsumstudien längst widerlegt. Jugendliche und junge Erwachsene – sowohl die Gen Z als auch die Gen Alpha (die nach 2011 Geborenen) – lesen durchaus, und das vielleicht sogar mehr als die Generationen vor ihnen. Was sich jedoch verändert hat, ist die Art des Konsums und vor allem der Umgang mit dem Lesen. In einem Alltag, in dem es fast unmöglich ist, sich völlig von den ständigen Reizen digitaler Geräte zu lösen, die längst fester Bestandteil unseres Lebens sind, läuft das Lesen anders ab. Doch wie wir sehen werden, ist das nicht zwingend etwas Schlechtes.

Jede Generation erlebt ihren eigenen Wandel
Um diese Entwicklung besser zu verstehen, werfen wir einen Blick zurück. Jede große gesellschaftliche und kulturelle Veränderung, bei der ein neues Medium das alte ablöste, stieß zunächst auf den Widerstand der älteren Generationen. Die Generation X wird sich noch gut daran erinnern, wie die Einführung des Fernsehens in den Privathaushalten, das Privatfernsehen und das 24-Stunden-Programm keineswegs auf ungeteilte Begeisterung stießen. Im Gegenteil: Das Fernsehen wurde lange Zeit als reines Ablenkungsinstrument für die Massen verteufelt, als pädagogisch wertloses „Monster“. Ähnlich erging es dem Internet, als es für jedermann erschwinglich wurde, und genau so steht heute die KI auf der Anklagebank. Doch selbst wenn wir noch weiter in der Geschichte zurückgehen, zeigt sich dasselbe Muster: Sogar der Buchdruck mit beweglichen Lettern – die Erfindung, die den Zugang zu Wissen revolutionierte und beschleunigte – wurde seinerzeit von den Herrschenden und der Kirche bekämpft. Sie fürchteten, die Verbreitung von Wissen würde ihnen die Kontrolle über die Bevölkerung entziehen. Der kleinste gemeinsame Nenner ist immer derselbe: Neue Medien werden von denjenigen bekämpft, die die alten beherrschen – aus Angst, die Kontrolle zu verlieren, weil sie sie mit veralteten Mitteln nicht mehr steuern können.

Wie die Gesellschaft unsere Gewohnheiten formt
Heutzutage sieht eine typische Lesestunde oft so aus:
- man liest ein paar Seiten;
- man antwortet auf eine WhatsApp-Nachricht;
- eine neue Benachrichtigung ploppt auf;
- man schickt eine Sprachnachricht;
- man liest weiter.
Ein solches Verhalten wirkt auf uns oft so, als würde es die Konzentration stören oder gar völlig zunichtemachen. Tatsächlich besteht das Risiko, den kognitiven Prozess zu unterbrechen, wie wir gleich sehen werden. Aber was, wenn unser Gehirn dadurch einfach nur neu programmiert wird? Das menschliche Gehirn ist extrem anpassungs- und evolutionsfähig. Für junge Menschen, die mit diesen digitalen Werkzeugen aufgewachsen sind, ist es völlig intuitiv, verschiedene Reize parallel zu verarbeiten und sie in ihren Wissenserwerb zu integrieren. Für ältere Generationen mag das schwer nachvollziehbar sein, weil sie das physische Objekt, das diese Aktivität symbolisiert – das gedruckte Buch –, nicht mehr im Mittelpunkt sehen. Doch die Gen Z liest Bücher einfach anders und innovativer als wir es gewohnt sind. Tapping, Scrolling, Swiping gehören zu den alltäglichsten Bewegungen auf einem Bildschirm. Sie können ein Zeichen von Ablenkung sein, aber sie können eben auch das Umblättern eines E-Books bedeuten. Und wer Kopfhörer trägt, ist nicht zwangsläufig unaufmerksam – es kann gut sein, dass die Person gerade ein Hörbuch oder einen Podcast hört. Sind das nur kurzlebige Trends? Vielleicht. Doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache.

Die Gen Z liest viel, doch nicht alle sehen sich als Leser
Laut einer Studie der American Library Association hat über 60 % der Gen Z im Jahr 2025 mindestens ein Buch gelesen – ob gedruckt, digital oder als Hörbuch. Das gedruckte Buch bleibt zwar der Favorit, doch fast alle haben auch Lesestoff auf ihren digitalen Geräten. Zudem erfreuen sich Hörbücher wachsender Beliebtheit, da sie das praktische Multitasking ermöglichen: Man kann zuhören und gleichzeitig etwas anderes erledigen. Das Überraschende dabei: 43 % dieser Gruppe bezeichnen sich selbst nicht als „Leser“, obwohl sie statistisch gesehen weit mehr lesen als der Durchschnitt. Man denke nur daran, wie oft jemand im Gespräch das Smartphone zückt, um schnell eine Information zu überprüfen oder ein Thema zu vertiefen. Auch das ist eine Form des Lesens und zeugt von Konzentration und Interesse. Warum also diese Zurückhaltung, sich selbst als Leser zu bezeichnen? Das liegt an einem Wahrnehmungsproblem, das durch die Fragmentierung des Lesens entsteht: Wie bereits beschrieben, liest man ein Stück, checkt eine Nachricht, schickt ein Voice-Memo, schaut sich ein Bild an und liest dann weiter. Dabei besteht das Risiko, den kognitiven Leseprozess zu unterbrechen. Die Folge: Es fällt schwerer, sich an Handlungsstränge, Figuren und Ereignisse zu erinnern, was oft dazu führt, dass man das Interesse am Text verliert. Wer diesen Blog regelmäßig liest, weiß jedoch, dass Fabulè das ideale Tool ist, um dieses Problem zu lösen. Es hilft dabei, den roten Faden mühelos wiederaufzunehmen und den kognitiven Weg zu rekonstruieren. Dieses Verhalten zeigt, dass das Lesen nicht ausstirbt, sondern sich verwandelt – nicht nur individuell, sondern auch im sozialen Miteinander. Neben vollen Bibliotheken und Literaturkreisen erleben vor allem virtuelle Räume einen beispiellosen Boom. Man denke nur an Plattformen wie Wattpad, Substack oder das Phänomen #Booktok, über das wir bereits berichtet haben.

Vom stillen Kämmerlein zum Gemeinschaftserlebnis
Der vielleicht markanteste Unterschied der Gen Z liegt darin, dass Lesen für sie keine rein einsame Beschäftigung mehr ist. Ein Buch – sei es ein veröffentlichtes Buch, eine Fanfiction oder ein Klassiker – wird zu einer kollektiven Erfahrung, zu einem Raum für Austausch, Diskussion und Begegnung. Buchclubs und literarische Communities schießen wie Pilze aus dem Boden, ebenso wie Seiten für Fanfiction, Rezensionen und Empfehlungen. Das „gemeinsame“ Lesen gibt jungen Erwachsenen das Gefühl, Teil von etwas Größerem zu sein. Es verbindet, lässt sie Emotionen teilen und Trends mitgestalten.

Was liest die Gen Z am liebsten?
Bestimmte Genres stechen besonders hervor und gehen regelmäßig viral:
- Romance (Liebesromane)
- Fantasy
- Dystopische Romane
- Queer Fiction (queere Literatur)
Die ersten beiden Genres sind absolute Klassiker. Sie bieten Zuflucht, Identifikationspotenzial, Trost und Hoffnung – gerade in einer von Unsicherheiten geprägten Zeit. Einige Autoren haben diesen Trend aufgegriffen und beide Genres zu „Romantasy“ verschmolzen. Dank dieser Mischung und der fesselnden Charaktere hat sich das Genre zum absoluten Bestseller des digitalen Zeitalters entwickelt. Auch dystopische Literatur, die sich mit politischen Umbrüchen, sozialer Ungerechtigkeit und ökologischen Krisen auseinandersetzt, ist extrem erfolgreich. Dies zeigt das große Interesse der jüngeren Generation an globalen Problemen. Ebenfalls sehr beliebt ist Queer Fiction, da Themen wie Identität, Vielfalt und Inklusion für junge Leser eine zentrale Rolle spielen. Doch die Gen Z blickt nicht nur nach vorn. Es gibt auch eine bemerkenswerte Wiederentdeckung der Klassiker: Werke von Dostojewski, Kafka, Joyce oder Woolf werden in Online-Communities im Licht moderner Lebenserfahrungen diskutiert. Themen wie Angst, Einsamkeit, unerwiderte Liebe und das Anderssein werden neu interpretiert. Besonders Neugierige lesen diese Klassiker sogar in der Originalsprache, um die sprachlichen Nuancen der Autoren ungefiltert zu erfassen und ihren Horizont über geografische und kulturelle Grenzen hinweg zu erweitern. Kurz gesagt: Für die Gen Z bedeutet Lesen, vernetzt, neugierig, offen und frei von Vorurteilen zu sein. Es spielt keine Rolle, wie, wo oder wie lange gelesen wird. Hauptsache, man teilt die Erfahrung.
Zusammenfassend lässt sich sagen:
Liest die Gen Z weniger als früher? Nein, lediglich die Art und Weise sowie die Zeiten des Lesens haben sich verändert.
Wie haben sich die Lesegewohnheiten der Gen Z verändert? Sie haben sich parallel zum technologischen Fortschritt und den täglich genutzten Geräten entwickelt – genau wie es auch bei den Generationen davor der Fall war.
Verringern Smartphones und Benachrichtigungen die Konzentration beim Lesen? Nicht zwingend. Junge Erwachsene haben ihre alltäglichen, für sie natürlichen Verhaltensweisen einfach an das Leseerlebnis angepasst.
Warum bevorzugen viele junge Menschen Hörbücher und E-Books? Weil sie ein flexibleres Lesen ermöglichen, das sich perfekt in den Alltag integrieren lässt. So können Inhalte jederzeit konsumiert werden.
Was versteht man unter fragmentiertem Lesen? Es ist eine Art des Lesens, die durch häufige Unterbrechungen durch Benachrichtigungen, Nachrichten und andere digitale Aktivitäten geprägt ist, wodurch es schwerer fallen kann, der Handlung durchgehend zu folgen.
Warum lesen viele Jugendliche, sehen sich selbst aber nicht als Leser? Obwohl sie viel lesen, entsteht durch die ständigen Ablenkungen ein Wahrnehmungsproblem bezüglich ihrer eigenen Leseaktivität.
Wie erinnert man sich nach einer Lesepause an die Handlung eines Buches? Den roten Faden nach Tagen oder Wochen Pause wiederzufinden, kann schwer sein. Tools wie Fabulè helfen Lesern dabei, Figuren, Ereignisse und Zusammenhänge schnell wieder abzurufen, ohne ganze Kapitel noch einmal lesen zu müssen.
Warum ist Lesen für die Gen Z ein soziales Erlebnis? Weil es für sie zu einer gemeinschaftlichen Aktivität geworden ist, nicht mehr nur zu einem einsamen Vergnügen. Lesen verbindet und dient dem Austausch.
Was sind die Lieblingsgenres der Gen Z? Romance, Fantasy, Romantasy, Dystopien, Queer Fiction und Klassiker, die aus moderner Perspektive neu beleuchtet werden.
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