Konzentrationsschwäche? Warum ein gutes Buch die beste Therapie ist
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Tagtäglich und in jedem Augenblick werden wir von Reizen überflutet, die unsere Aufmerksamkeit und unseren Fokus lenken. Das liegt daran, dass wir über ein komplexes sensorisches System mit unserer Umwelt interagieren, das wie ein Filter wirkt. Nicht alle Reize erreichen unser kognitives System in gleicher Weise – schließlich sind dessen Kapazitäten begrenzt und es muss in kürzester Zeit reagieren. Sensorische Inputs werden daher durch unsere Aufmerksamkeit gefiltert: ein Kontrollsystem, das unsere Ressourcen auf eine kleine Auswahl an Reizen lenkt, die aus der riesigen Flut an Umweltinformationen herausgefiltert werden. Diese Reize können entweder endogen sein – also durch eine bewusste Entscheidung ausgewählt –, was uns dazu veranlasst, proaktiv darauf zu reagieren (gemäß den vier Phasen: Reiz, Impuls, Reaktion, Ausdruck). Oder sie sind exogen: Sie drängen sich von außen auf, wirken ablenkend und ziehen unsere Aufmerksamkeit von einer bestimmten Aufgabe ab. Während exogene Reize uns von wichtigeren oder nützlicheren Aufgaben ablenken und somit ein Problem darstellen können, wirken sich endogene Reize positiv auf unsere Kreativität und Produktivität aus. Ihre Wirksamkeit hängt jedoch stark davon ab, wie lange wir unsere Aufmerksamkeit und damit unsere Konzentration aufrechterhalten können.

Wie lang ist unsere Aufmerksamkeitsspanne?
Es gibt keine allgemeingültige Zahl für die durchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne, da sie stark von der Art der Aufmerksamkeit und dem genutzten Medium abhängt. Man unterscheidet jedoch drei wesentliche Ebenen:
Fokussierte Aufmerksamkeit (Sofortiger Fokus) Das ist die Fähigkeit, sich auf einen einzelnen Reiz zu konzentrieren, bevor man abgelenkt wird. Dem Volksmund nach liegt diese Spanne bei nur etwa 8 Sekunden – dieser Wert bezieht sich jedoch rein auf die flüchtige Aufmerksamkeit oder die erste Einschätzung eines Inhalts, nicht auf ein tiefes Verständnis. Auf digitalen Bildschirmen beispielsweise liegt die durchschnittliche fokussierte Aufmerksamkeit zwischen 45 und 75 Sekunden.
Daueraufmerksamkeit (Tiefenkonzentration) Das ist die Fähigkeit, die geistige Anstrengung über einen längeren Zeitraum aufrechtzuerhalten, etwa beim Lernen oder beim Lesen eines Buches. Die Aufmerksamkeit erreicht meist nach 10 bis 15 Minuten ihren Höhepunkt und lässt nach etwa 40 bis 45 Minuten allmählich nach.

Was beeinflusst die Aufmerksamkeitsspanne?
Die Dauer unserer Aufmerksamkeit ist nicht starr, sondern hängt von drei Faktoren ab:
1. Das Medium: Je nach dem genutzten Medium und den aktivierten Gedächtnis- und Logikprozessen variiert die Aufmerksamkeitsspanne erheblich. Die Arbeit mit einem Buch erfordert in der Regel längere Einheiten und führt zu einem tieferen Verständnis als beispielsweise das Anschauen eines Social-Media-Videos.
2. Die Motivation: Wenn uns ein Thema persönlich brennend interessiert, können wir die durchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne mühelos überschreiten.
3. Das Alter: Bei Kindern ist die Aufmerksamkeitsspanne noch recht kurz und wächst erst im Laufe ihrer Entwicklung heran.
Unser moderner Lebensstil, soziale Medien, ständige Ablenkungen und die permanente Reizüberflutung tragen dazu bei, dass unsere durchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne schrumpft. Ohne eine starke innere Motivation fällt es uns immer schwerer, uns auf eine Aufgabe zu konzentrieren. Man denke nur an die Entwicklung der sozialen Netzwerke: Abgesehen von Nischeninteressen ging der Trend in den letzten Jahren weg von textbasierten Plattformen hin zu rein visuellen Medien mit Fotos und Videos. Das macht den Konsum zwar schneller, verringert aber gleichzeitig drastisch die Fähigkeit, sich auf einen einzelnen Beitrag einzulassen. Diese Entwicklung birgt vor allem für jüngere Generationen Risiken, da sie es kaum noch gewohnt sind, sich auf einen einzigen, „langsamen“ Impuls zu fokussieren.

Die Lösung? Ein gutes Buch
Um diesem Trend entgegenzuwirken, liegt das Gegenmittel laut Experten direkt vor uns: in Form eines Buches. Lesen ist ein hervorragendes Gehirnjogging, das die Konzentration stärkt und im Alter dem Gedächtnisabbau entgegenwirkt. Der Grund dafür ist denkbar einfach: Lesen erfordert zwingend kontinuierliche Aufmerksamkeit. Beim Lesen bewegen wir uns durch ein komplexes Terrain voller Charaktere, Handlungsstränge und Schauplätze – ein hochintensiver Reiz für unser Gedächtnis. Laut einer Studie der University of Phoenix kann bereits eine tägliche Lesezeit von nur 20 bis 30 Minuten die allgemeine Konzentrationsfähigkeit spürbar stärken. Aber das ist noch nicht alles: Auch unser Schlaf profitiert davon. Eine Studie der University of Galway mit tausend Probanden über eine Woche zeigte, dass Teilnehmer, die vor dem Einschlafen in einem Buch lasen, eine deutlich bessere Schlafqualität aufwiesen.

Warum persönliche Vorlieben entscheidend sind
Dabei ist es entscheidend, dass wir Bücher wählen, die unseren persönlichen Interessen, bevorzugten Genres, Themen oder dem eigenen Stil entsprechen. Wird das Lesen zu einer Pflichtaufgabe von außen, lassen wir uns leicht von der Flut konkurrierender, exogener Reize ablenken, die uns dann natürlich attraktiver erscheinen. Das Textverständnis leidet darunter massiv. Entspringt das Lesen jedoch einer echten inneren Motivation, lenken wir unsere Aufmerksamkeit ganz von selbst und können uns viel müheloser konzentrieren.

Wie lässt sich die Konzentration durch Lesen steigern?
Wenn wir ganz in ein Buch eintauchen, aktivieren wir sofort eine Vielzahl von Bildern, Konzepten und Gedanken, die uns mit dem Text verbinden und unsere Erwartungen an den weiteren Verlauf nähren. In dieser Phase ist das Wecken und Aktivieren der Aufmerksamkeit von großer Bedeutung. In der Neuropsychologie spricht man hierbei von Arousal: Ein Zustand sensorischer Alarmbereitschaft des zentralen und peripheren Nervensystems, der uns optimal auf das Weiterlesen vorbereitet. Darüber hinaus müssen wir unsere Konzentration gezielt steuern und selektive Aufmerksamkeit einsetzen, um störende Reize auszublenden. Der Text präsentiert sich uns als fortlaufender Strom von Reizen, deren Wörter und Sätze wir entschlüsseln und verarbeiten müssen. Dabei laufen im Hintergrund zahlreiche, meist automatische Prozesse gleichzeitig ab, die viel Energie kosten: der phonologische, semantische und syntaktische Zugriff sowie die begriffliche Verarbeitung. Dadurch müssen wir unsere Aufmerksamkeit auf mehrere Ebenen gleichzeitig aufteilen (geteilte Aufmerksamkeit). Dem linearen Textverlauf folgend, entfaltet sich das Lesen über einen längeren Zeitraum und erfordert somit Daueraufmerksamkeit. Genau diese ist im Alltag durch ständige exogene Reize am stärksten gefährdet. Deshalb gilt es, den Geist darauf zu trainieren, diese Aufmerksamkeit über längere Phasen aufrechtzuerhalten. Da wir im Alltag oft Multitasking betreiben müssen, sind wir zudem gezwungen, unsere kognitiven Ressourcen ständig aufzuteilen. Das beeinträchtigt nicht nur das Textverständnis, sondern führt auch zu langen Unterbrechungen zwischen den Lesephasen. Um die Daueraufmerksamkeit zu stärken und der geteilten Aufmerksamkeit entgegenzuwirken, ist ein Tool wie Fabulè der ideale Begleiter. Durch gezielte Fragen zum Text, zum Kontext, zu Konflikten, Beziehungen, Symbolen oder bereits gelesenen, aber vielleicht verblassten Handlungsdetails wird der Verstehensprozess aktiv vom kognitiven System gesteuert. Die Konzentration bleibt auf das Buch gerichtet und hält länger an. Fabulè hilft Leserinnen und Lesern dabei, eine effektive Lesestrategie zu entwickeln: Mit gezielten Aktivitäten lässt sich der rote Faden der Handlung rekonstruieren. So wird genau die kognitive Aktivität angeregt, die nötig ist, um Ordnung in das Gelesene zu bringen – und mit wenigen Schritten die Konzentration und die reine Freude am Lesen zurückzugewinnen.
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